Mit Hund durch Europa — Teil 02
Frankreich mit Hund: Das härteste Gesetz Europas — und das hundeverliebteste Volk.
Kaum ein Land lebt einen solchen Widerspruch wie Frankreich: Manchen Hunden verwehrt es die Einreise mit drakonischer Härte — und gleichzeitig liegt der Hund hier so selbstverständlich unter dem Bistrotisch wie nirgends sonst. Dazu die Hitze des Südens, die Frage nach dem Pool und ein kühler Norden, über den kaum jemand spricht.
Von Pia von Ramin · Lesedauer ca. 11 Min.

St-Tropez — wo der Hund ganz selbstverständlich zum Apéro gehört
Es gibt zwei Frankreichs, wenn man mit Hund reist. Das eine empfängt dich auf der Caféterrasse, als wäre der Hund ein zahlender Gast — eine Schale Wasser kommt ungefragt, niemand verzieht eine Miene. Das andere steht in Gesetzestexten, die zu den schärfsten Europas gehören und manchen Hunden die Grenze komplett verschließen.
Beide sind wahr. Und beide muss man kennen, bevor man losfährt. Fangen wir mit dem unangenehmen Teil an — danach wird es schön.
Kapitel 01 — Das Gesetz
Zwei Kategorien — und warum sie so hart sind
Frankreichs Hundegesetz stammt von 1999, wurde 2008 noch einmal verschärft und teilt „gefährliche" Hunde in zwei Kategorien. Anders als in Dänemark geht es hier nicht um eine reine Verbotsliste, sondern um zwei Stufen mit unterschiedlichen Folgen.
Kategorie 1 — die Angriffshunde. Pitbull-Typen, Mastiff-/Boerbull-Typen und Tosa ohne anerkannten FCI-Stammbaum. Für sie sind Einreise und sogar Durchreise schlicht verboten. Und das ist keine Formalie: Die Einfuhr gilt als Straftat, der Hund kann beschlagnahmt und eingeschläfert werden, dem Halter drohen Geldstrafen bis 15.000 € und bis zu sechs Monate Haft. Es reicht, dass ein Hund einem dieser Typen ähnelt.
Kategorie 2 — die Wach- und Schutzhunde. Dieselben Rassen mit Stammbaum, dazu der Rottweiler (auch ohne Papiere) und ihm ähnliche Hunde. Einreise theoretisch erlaubt, praktisch kaum machbar: Maulkorb- und Leinenzwang in der gesamten Öffentlichkeit, Führung nur durch Erwachsene, nachzuweisende Haftpflichtversicherung, Meldung bei der Gemeinde — und ab drei Monaten Aufenthalt ein französischer Sachkundekurs plus Verhaltensgutachten durch einen französischen Tierarzt. Für einen Urlaub ist das illusorisch.
Nicht betroffen sind übrigens Dobermann, Deutsche Dogge und der Staffordshire Bull Terrier mit Papieren — sie fallen in keine der Kategorien. Für große Hunde wird ein Maulkorb in der Öffentlichkeit aber generell empfohlen.
"In Frankreich entscheidet oft nicht der Charakter deines Hundes, sondern sein Aussehen — und sein Stammbaum."
Klingt bedrohlich, und für die betroffenen Rassen ist es das auch. Für die allermeisten Reisenden aber ist es ein Nicht-Thema: Windhunde, ein Weimaraner, die typischen Familienhunde — keiner von ihnen hat mit den Kategorien irgendetwas zu tun. Ein praktischer Rat trotzdem: Sieht dein Hund einem Listentyp auch nur entfernt ähnlich, nimm eine Rassebescheinigung deines Tierarztes mit, idealerweise auf Französisch oder Englisch. Das erspart Diskussionen, die niemand am Urlaubsbeginn führen will.
Kapitel 02 — Anreise
Auto, Zug oder Flug — wie der Hund nach Frankreich kommt
Die Basis ist schnell erzählt: Dein Hund braucht einen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung — zwischen Erstimpfung und Einreise müssen mindestens 21 Tage liegen. Bis zu fünf Hunde darfst du mitführen. Den Rest entscheidet das Verkehrsmittel, und jedes hat seine eigene Logik.
Mit dem Auto. Der Klassiker, gerade Richtung Süden. Ein eigenes französisches Gesetz zur Sicherung im Auto gibt es nicht, aber der Code de la route verlangt, dass der Hund den Fahrer nicht behindern darf — und die Physik verlangt ohnehin mehr (dazu mehr im Kapitel über den Süden). Sichere ihn also, ob mit Autositz, Box oder Gurt. Zwei Dinge für die lange Strecke: Die französischen Autobahnen sind mautpflichtig, und an den großzügigen aires de repos lässt sich der Hund gut auslüften. Plane Pausen ein — und bei Sommerhitze gilt das Auto-Verbot ohne Ausnahme.
Mit dem Zug. Die SNCF macht es unkompliziert und günstig: Innerhalb Frankreichs reist der Hund im TGV INOUI und in den Intercités zum Pauschalpreis von rund sieben bis zehn Euro pro Fahrt — egal ob klein in der Tasche oder groß an der Leine. Kleine Hunde in einer geschlossenen Tasche (max. 45 × 30 × 25 cm) brauchen keinen Maulkorb. Alle anderen müssen die ganze Fahrt über angeleint sein und einen Maulkorb tragen, auch wenn sie keine „gefährlichen" Hunde sind, und bleiben zu deinen Füßen. Bis zu zwei Tiere pro Person, angemeldet wird der Hund schon bei der Buchung. Wichtig für die Anreise aus Deutschland: Grenzüberschreitend wird es etwas teurer (rund zehn bzw. zwanzig Euro), und im Eurostar sind Hunde außer Assistenzhunden gar nicht erlaubt.
Mit dem Flugzeug. Die naheliegende Airline ist Air France: In der Kabine nimmt sie Hunde und Katzen bis acht Kilo inklusive Tasche mit, in einer weichen Tasche von höchstens 46 × 28 × 24 cm, die unter den Vordersitz passt — dort bleibt der Hund den ganzen Flug. Darüber geht es in den klimatisierten Frachtraum (bis 75 kg), stumpfnasige Rassen allerdings nicht. Angemeldet wird spätestens 24 Stunden vorher; die Kabine kostet je nach Strecke etwa 70 bis 200 Euro. Und hier holt dich das Gesetz aus Kapitel 01 wieder ein: Für den Frachtraum verlangt Air France die ausdrückliche Bestätigung, dass dein Hund nicht unter Kategorie 1 oder 2 fällt.
Nach Frankreich fliegt aber längst nicht nur Air France — auch Lufthansa, Eurowings und andere bedienen die Strecken. Und hier lohnt der zweite Blick: Die erlaubten Taschenmaße unterscheiden sich von Airline zu Airline. Air France ist mit 46 × 28 × 24 cm spürbar knapper als der sonst übliche Richtwert von rund 55 × 40 × 23 cm — eine Flugtasche, die bei der einen durchgeht, kann bei der anderen am Gate scheitern. Prüf die genauen Maße deiner Airline also nicht erst beim Kofferpacken, sondern bevor du Tasche und Ticket kaufst. Kurz: Ein Windspiel passt unter den Sitz, wenn die Tasche zur Airline passt. Ein Weimaraner reist unten — oder gleich im Auto.

Vor dem Bistro — Hunde gehören hier zum Straßenbild
Kapitel 03 — Savoir-vivre
Und jetzt das andere Frankreich. Kaum eine Nation lebt so selbstverständlich mit Hund wie diese. In der Brasserie, im Café, in vielen Restaurants liegt der Hund unter dem Tisch, ohne dass jemand auch nur fragt. Wer aus Deutschland kommt, wo das „Dürfen Hunde rein?" zum Reflex gehört, erlebt hier eine angenehme Entspanntheit: Der Hund ist Teil des Lebens, nicht seine Ausnahme.
"In Frankreich liegt der Hund unter dem Tisch — nicht im Kofferraum."
Und doch gibt es eine zweite Hälfte der Wahrheit, die überrascht: Diese Offenheit endet abrupt an bestimmten Türen. Museen, Theater, Kinos, viele Geschäfte, Märkte und Krankenhäuser sind oft hundefreie Zonen. In großen Nationalparks wie dem Mercantour oder den Écrins sind Hunde komplett verboten, in anderen — etwa den Cévennes — nur an der Leine erlaubt, zum Schutz der Tierwelt. Das Gegenteil von Beliebigkeit also: Hunde sind willkommen, wo Menschen essen und leben, und draußen, wo Natur geschützt wird, gelten klare Grenzen.

Im Dorf — überall ein Schälchen Wasser, überall ein Platz im Schatten
Der wichtigste Reflex lautet deshalb: Augen auf, Beschilderung beachten — und im Zweifel freundlich nach der gelebten Praxis fragen. Am Strand ist das besonders relevant: In den Sommermonaten sind Hunde an vielen Stränden verboten, entschieden wird das per Gemeindeerlass, von Ort zu Ort verschieden. Ein Blick auf das Schild am Zugang spart Ärger.
Hotel und Campingplatz
Beim Übernachten zeigt sich Frankreich wieder von seiner offenen Seite. In Restaurants und Hotels ist der Hund meist willkommen, oft ohne Aufhebens — manche Hotels berechnen einen kleinen Aufschlag, ein kurzer Anruf vorab lohnt sich trotzdem. Und Frankreich ist eine Camping-Nation: Die allermeisten Plätze freuen sich über Vierbeiner. Drei Dinge solltest du dort wissen: Auf dem Platz gilt durchgehend Leinenpflicht, ein aktueller Impfpass wird oft schon beim Check-in verlangt, und Hunde der Kategorie 1 und 2 sind so gut wie überall ausgeschlossen. Manche großen Plätze begrenzen die Zahl der Hunde oder sperren sie im Juli und August ganz — je kleiner und naturnäher der Platz, desto entspannter. Und eine ungeschriebene Regel überall: Lass den Hund nie allein im Zelt oder Mobilheim zurück.

Mittags gehört dem Schatten — wie bei den Einheimischen
Kapitel 04 — Der Süden im Sommer
Hitze und Chlor
Der Süden im Hochsommer ist wunderschön und für Hunde gnadenlos. Ein Hund kann kaum schwitzen — nur ein wenig über die Pfotenballen — und kühlt sich fast ausschließlich übers Hecheln. Ab einer Körpertemperatur von rund 40 °C wird es lebensgefährlich, und der Weg dorthin ist im südfranzösischen Juli kürzer, als man denkt.
Mit der Hitze umgehen
Die Lösung ist dieselbe, die die Südfranzosen seit Jahrhunderten leben: Das Leben findet morgens und abends statt, die Mittagsstunden gehören dem Schatten. Verleg die Spaziergänge in den frühen Morgen und den späten Abend, meide die Zeit zwischen etwa zwölf und sechzehn Uhr. Prüf den Asphalt mit dem Handrücken — hältst du ihn keine fünf Sekunden aus, verbrennt er auch die Pfoten. Immer Schatten, immer Wasser. Und niemals, wirklich niemals, der Hund allein im Auto: Bei 25 °C außen klettert es im Wagen binnen Minuten über 40 °C.
Windhunde mit ihrer dünnen Haut und dem feinen Fell überhitzen schnell, sind aber ebenso schnell wieder ausgekühlt; auf heller Haut droht zudem Sonnenbrand. Ein Weimaraner will laufen — gerade ihn muss man in der Hitze bremsen, nicht ermutigen. Und ein Thema, das viele unterschätzen: Im Mittelmeerraum überträgt die Sandmücke die Leishmaniose. Sprich vor der Reise mit deinem Tierarzt über Schutz — Spot-ons, Halsband oder Impfung.
Die Pool-Frage: ist Chlor ein Problem?

Am Pool — Abkühlung ja, aber mit ein paar Regeln
Die gute Nachricht zuerst: Ein korrekt eingestellter, gechlorter Pool ist für ein gelegentliches Bad in aller Regel unbedenklich — man lässt schließlich auch Kinder hinein. Das Problem ist nicht das Chlor an sich, sondern der falsche Umgang damit. Drei Regeln genügen.
Erstens: nicht trinken lassen. Kleine Schlucke beim Schwimmen sind harmlos. Trinkt der Hund größere Mengen Chlorwasser, drohen Erbrechen und Durchfall, im Extremfall eine Wasservergiftung. Stell daher immer frisches Trinkwasser bereit.
Zweitens: nach jedem Bad abduschen. Chlor trocknet Haut und Fell aus — bei dünnhäutigen Windhunden und Hunden mit empfindlicher Haut umso mehr. Klares Wasser aus dem Gartenschlauch reicht.
Drittens: den Ausstieg sichern. Ein Pool hat kein Ufer. Ein Hund, der die Treppe nicht findet, kann ertrinken — das gilt besonders für Windspiele, die wenig Körperfett haben, schnell auskühlen und keine geborenen Schwimmer sind. Sorg für einen sichtbaren Ein- und Ausstieg, lass den Hund nie unbeaufsichtigt am Wasser, und zäune den Pool ab, wenn niemand dabei ist.
"Ein überhitzter Hund gehört nicht ins kalte Wasser — sondern langsam hineingekühlt."
Und der wichtigste Punkt, der Hitze und Pool verbindet: Lass einen überhitzten Hund nie kopfüber ins kalte Becken springen. Wie beim Menschen kann der Temperatursturz zum Kreislaufkollaps führen — riskant vor allem für ältere Hunde oder solche mit Herzproblemen. Erst die Pfoten und Beine langsam nass machen, den Körper akklimatisieren lassen, dann ins Wasser.

Die Atlantikküste — kühl, weit und überraschend hundefreundlich
Kapitel 05 — Der Atlantik
Der kühle Norden — die eigentliche Hundeküste
Das Postkartenfrankreich ist der heiße Süden — Côte d'Azur, Lavendel, Apéro in der Abendsonne. Aber für viele Hunde liegt das eigentliche Paradies dort, wo kaum jemand die Kamera draufhält: an der Atlantikküste. Bretagne und Normandie bieten milde Temperaturen statt drückender Hitze, kilometerweite Strände bei Ebbe, weniger Sandmücken — und damit weniger Leishmaniose-Druck. Wer vor dem südlichen Juli zurückschreckt, muss nicht zu Hause bleiben; er dreht das Steuer nach Nordwesten.
Strandregeln an der Atlantikküste
Die Grundregel ähnelt der im Süden, nur etwas freundlicher: An den bewachten Badestränden sind Hunde in der Hochsaison meist verboten — das Fenster liegt typischerweise zwischen dem 15. Juni und dem 15. September, mancherorts vom 1. Juni bis 30. September. Festgelegt wird das von jeder Gemeinde einzeln per Erlass (arrêté municipal), es lohnt also der Blick aufs Schild am Zugang.
Der entscheidende Kniff: Viele Gemeinden erlauben Hunde auch im Sommer früh und spät — grob vor neun, zehn Uhr und nach neunzehn, zwanzig Uhr. Das sind ohnehin die schönsten Strandstunden: kühler, leerer, oft hast du den Sand für dich allein. Außerhalb der Saison, also etwa von Oktober bis Mai, sind die meisten Strände offen — offiziell gilt dann aber Leinenpflicht, und Verstöße können ein Bußgeld kosten. In den Dünen und auf den Promenaden bleibt der Hund ganzjährig an der Leine, zum Schutz der Landschaft.
Abseits der ausgewiesenen Badezonen findest du an Naturstränden oft gar keine Schilder — dort werden Hunde meist stillschweigend toleriert. Es gibt sogar ganzjährige Hundestrände, etwa in Kerlouan im Finistère. Als Faustregel gilt: Je touristischer der Ort, desto länger und strenger die Saison. Orientier dich an den Einheimischen oder frag einfach die Vermieter deines Ferienhauses — die kennen die gelebte Praxis besser als jeder Erlass.

Bei Ebbe wird der Strand zur unendlichen Spielwiese
Die Gezeiten — der wichtigste Tipp
Was den Atlantik vom Mittelmeer unterscheidet, ist die Tide. Der Tidenhub ist gewaltig: Bei Ebbe liegt der Strand kilometerweit frei, bei Flut ist er schlicht verschwunden. Plane deshalb nach dem Gezeitenkalender — nicht nur fürs Baden, sondern für die Sicherheit. Eine schnell auflaufende Flut kann einen Hund von einer Sandbank abschneiden, und in Buchten wie der des Mont-Saint-Michel sind die Strömungen und der Treibsand lebensgefährlich. Wer die Tide im Blick hat, bekommt dafür das großzügigste Strandgefühl, das Frankreich zu bieten hat.
Frankreich ist beides: das Land mit einem der härtesten Hundegesetze Europas und das Land, das den Hund mit der größten Selbstverständlichkeit an den Tisch lässt. Wer die Kategorien kennt, die Hitze ernst nimmt und die Beschilderung liest, bekommt dafür ein Reiseland, das Hunde nicht duldet, sondern feiert. Und zur Not gibt es immer noch den Norden.
Nächste Folge — Teil 03: Italien
Entdecke 4legs
Taschen & FLUGTASCHEN → Autositze → Magazin →![]() |
Pia von Ramin ist Gründerin von 4legs.de und lebt in Hamburg. Sie reist regelmäßig mit ihren Hunden durch Europa — vom Süden Frankreichs bis an die dänische Nordsee. |



